Die Glocknerfahrt

Nachdem ich mir am Vorabend noch fünf Minuten vor Ladenschluss Steigeisen zugelegt hatte, stand ich am sonnigen Frohnleichnams-Tag in dem Bergsteigerdorf Kals. Von dort aus giengs über saftige Wiesen hinauf. Zahlreiche Murmeltiere hatten bereits ihren Winterschlaf beendet und sprangen munter umher; weiter oben jedoch lag noch viel Schnee. Als ich an der noch unbewirtschafteten Stüdel-Hütte, benannt nach einem der Gründer des DAV's, ankam, waren auch meine neuen und erste richtig steigeisenfeste Schuhe halbwegs eingelaufen. Mit einigen gleichgesinnten lies man sich in gesselliger Runde lauwarme Nudelsuppe schmecken. Im Winterraum gieng das Brennholz zur neige und wurde auf ein Scheit pro Tag rationalisiert.

Am nächsten Morgen als es noch finster war zuckten einige Blitze durch den Nebel, was die meisten zum Abstieg ins Tal veranlasste. So stieg ich gemächlich im Niesel-Regen auf, entlang dem Luisengrat, in der Hoffnung dass sich das Wetter noch bessern könnte und ich meinen Eispickel aufprobieren kann. Als sich der Nebel etwas lichtete zeigte sich dann zum ersten mal der Großglockner in voller Grösse. Er hatte sein weisses Winterkleid noch micht abgelegt und ragte stolz in den Himmel. Die Regenwolken hatten sich bereits verzogen als ich am Beginn des Stüdelgrats stand. Von dort seien es nur noch 600 Höhenmeter über einen zackigen Felsgrat zum Gipfel Österreichs höchsten Bergs. Dieser so hoch gelobte Süd-West-Grat schwang sich in eleganter Linie nach oben und ich gewann rasch an Höhe, bis neben Firn auch Eis die Felsen zierte. Endlich kamen Steigeisen Pickel und sogar eine Eisschraube zum Einsatz. Nach langer zum Teil recht ausgesetzter Kletterei war rückte das von Kaiser Franz Josef gestiftete Gipfelkreuz in Sichtweite. Dann zogen sich die Wolken wieder zu, es begann zu schneien und stürmen und die Schwierigkeiten in Eis und Fels namen stetig zu. Erst weit über Mittag stand ich schlotternd vor Kälte und Nässe auf dem (überwächteten) Gipfel und verzichtete sogar auf den Gipfelschnaps welcher mir angeboten wurde. Der Abstieg erfolgte über den Kleinglockner hinunter zur Adlersruhe während ein Gewitter mit Hagel über die Gletscher tobte. Gerade noch vor dem Einnachten erreichten wir die Hütte. Vom Glockner begeistert - vom knietiefen Sulzschnee geschafft schlief ich ein. Am nächsten Tag spazierten wir hinunter ins Tal nahmen ein Bad in einem der wunderschönen österreichischen Seen und wählten als Rückweg mit unserem kleinen Auto die Glockner-Hochalpenstaße um auch einen Blick auf die Nordwand werfen zu können. Trotzdem, dass uns dieser wegen starker Bewölkung verwährt blieb hatt sich der Umweg gelohnt und ich kehrte voll großartiger Errinnerungen unversert nach Augsburg zurück.